Die Entwicklung des zukunftsfähigen Unternehmens Die Digitalisierung stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Spätestens bei den Überlegungen zu Einsatzmöglichkeiten und Potenzialen stehen viele Unternehmen nicht nur vor technischen Fragestellungen, sondern häufig vor großen Transformationsprozessen. Eine ganzheitliche Betrachtung, die Vernetzung unterschiedlicher Perspektiven sowie der erfolgreiche Umgang mit Mehrdimensionalität spielen dabei eine entscheidende Rolle. Der Sehnsucht nach Beschleunigung und Vereinfachung der Welt fallen jedoch häufig relevante Facetten zum Opfer.
Die Erwartungshaltung, die an Unternehmen gestellt wird, wächst bereits seit Jahren – immer schneller, individueller, digitaler, nachhaltiger, flexibler soll es sein. Seit 2020 erleben wir dieses hochdynamische Umfeld extremer als je zuvor und Unternehmen werden noch stärker mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre Leistungsfähigkeit in einem globalen, digitalen und sich schnell verändernden Umfeld sichern können.
Die Digitalisierung ist dabei ein zentrales Thema und in aller Munde, dennoch ist auch sie nur ein Puzzlestück im gesamten wirtschaftlichen Handeln. Die Nutzung ihrer Potentiale bleibt jedoch zweifelsfrei ein zentraler Baustein des zukunftsfähigen Unternehmens. Zum Erfolg wird sie vor allem dann führen, wenn die Betrachtung keine alleinige Frage der technischen Möglichkeiten bleibt, sondern eine Frage des sinnvollen und erfolgreichen Zusammenspiels von Technologie und Infrastruktur, von durchdachten und durchgängigen Prozessen und Strukturen sowie von Menschen, deren Kompetenzen und Kulturen. Nie zuvor waren Mensch, Technik und Prozess mehr miteinander verwoben.
Aus den Erfahrungen der letzten Jahre haben sich viele erfolgskritische Faktoren herauskristallisiert, von denen wir im nachfolgenden fünf mit einer für uns besonderen Bedeutung für eine erfolgreiche Unternehmenstransformation hervorheben wollen:
Das Unternehmen sollte bei seiner Gesamtausrichtung erstmal frei von den bekannten Unterteilungen – egal ob funktional, prozessual oder in anderer Form – betrachtet werden, da jede Unterteilung zu Bereichsgrenzen führt. Nur so können komplexe Zusammenhänge und zeitlich wie räumlich auseinanderliegende Ursache-/Wirkungsbeziehungen erkannt werden. Berücksichtigt werden auch die Vernetzungspunkte und Prozesse über die Unternehmensgrenzen hinweg. Die Betrachtung als lebendes System wird hierbei besonders betont, da das Unternehmen in seiner Art des Agierens und Reagierens eher einem lebenden Organismus oder vielmehr einem komplexen Ökosystem gleicht, als einem technischen System. Diese Facette wird häufig in Methoden und Modellen zu wenig berücksichtigt und führt damit zu einer starken Vereinfachung, zum Beispiel hinsichtlich der Planbarkeit von Impuls-Reaktions-Ketten.
Nicht alle Komplexitäten lassen sich Vereinfachen. Ganzheitliche Transformationsprozesse sind komplex und viele Dimensionen und Perspektiven müssen dabei berücksichtigt und gestaltet werden. Die Bandbreite reicht von der Informationsarchitektur bis hin zur Unternehmenskultur, von der Strategie bis hin zum Datenmodell. Interdisziplinäre Teamarbeit ist in vielen Unternehmen zwar nichts Neues, aber die Bandbreite der zu vernetzenden Experten - die sowohl die Sichten aus unterschiedlichen Teilen der Welt, aus unterschiedlichsten Professionalisierungsfeldern, von der abstrakten Gesamtsicht bis zum präzisesten Detail erfolgreich miteinander verbinden – ist nochmals stark gestiegen. Der Umgang mit Mehrdimensionalität muss bewusst gestaltet, moderiert und gemanagt werden.
Die ganzheitliche Organisationsentwicklung ist ein zentrales, fachbereichsübergreifendes, strategisch hochrelevantes Gestaltungsfeld, das bewusst verankert und systematisch professionalisiert werden muss. Ganzheitlich bedeutet wie bereits erwähnt mit allen Facetten des organisationalen Netzes: Von der Architektur bis hin zur Kultur! Insbesondere die architektonische Gestaltung, im Sinne von erzeugen, strukturieren, managen, transportieren, visualisieren und konsumieren von Informationen, hat nie zuvor eine größere Rolle gespielt. Das erfolgreiche Gestalten des Zusammenspiels von Menschen, Strukturen, Prozessen und Technologie erfordert vielfältige Kompetenzen und Perspektiven, die miteinander vernetzt agieren, um das Unternehmen zukunftsfähig auszurichten.
In einem hochdynamischen Umfeld ist ein hohes Maß an Beweglichkeit gefragt. Die Wandlungsfähigkeit spielt für ein leistungsfähiges Unternehmen eine ganz besondere Bedeutung. Bereits bei der Gestaltung der Unternehmensarchitektur sollte beachtet werden, das System nicht statisch, sondern lernend zu gestalten. Die Basis für eine wandlungsfähige und damit lernende Organisation entsteht aus intelligenten Prozessen und Strukturen, der Nutzung technischer Möglichkeiten und nach wie vor am Wichtigsten: aus der Kompetenz sowie dem Zusammenspiel der Menschen.
Genau dieses Zusammenspiel der Menschen soll im letzten Punkt nochmals besondere Beachtung finden. Bei aller Diskussion um Digitalisierung und neue technische Möglichkeiten, bleibt eine Facette aus der Vergangenheit und der Gegenwart auch in Zukunft hochrelevant und doch gelegentlich nicht ausreichend berücksichtigt: Der Mensch in seiner Art, wie er agiert, an was er sich orientiert, was ihn motiviert. Konfrontiert mit wachsender Komplexität und einer hohen Dynamik sind die Grenzen eines Einzelnen schnell erreicht. Das dringend notwendige Vernetzen der Perspektiven erfordert ein Miteinander auf Augenhöhe, ein Bewusstsein, dass keiner die Wahrheit besitzt, ein offenes aufeinander Zugehen – unabhängig davon wie weit die eigene Einschätzung von der des Anderen entfernt ist, ein lernen und nicht dominieren wollen. All das ist schnell geschrieben, in der Realisierung jedoch alles andere als trivial. Offenheit, Respekt, Verantwortungsübernahme und der Wille zur gemeinsamen konstruktiven Lösungsfindung müssen aktiv gefördert werden, da sie gerade in anspruchsvollen und belastenden Phasen schnell unter die Räder kommen.
Wir befinden uns mit unseren Erkenntnissen und Erfahrungen zweifelsohne auf einer Lernreise – wie viele andere Unternehmen auch. In den kommenden Jahren werden neue Erkenntnisse hinzukommen, Ansätze verworfen und neue Wege gefunden.
Was beschäftigt Sie in diesem Zusammenhang? Welche Erfahrungen konnten Sie bereits sammeln?
Wir freuen uns über Feedback, Impulse, Gedanken, Diskussion und Erfahrungsaustausch.